Afrika als Müllhalde des Westens

Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach diesem Motto verfrachtet der Westen seinen Müll nach Afrika. Europäische Reeder verschiffen Abfälle nach Afrika, dort wird die Fracht illegal entsorgt. Die giftigen Schwermetalle verseuchen Böden, Flüsse, Fische und Menschen.


Ihr habt euch gerade einen neuen Laptop gekauft und euren Alten entsorgt? Gut für euch. Das Problem ist, dass er mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hier landen wird:

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“Die Kinder von Sodom” in Accra/Ghana – Bild: Andrew McConnell

Laut einer Untersuchung der United Nations University fielen 2014 weltweit rund 42 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Die durch die Entsorgung anfallenden, hochgiftigen Schwermetalle dürften die jeweiligen Länder eigentlich nicht verlassen.

Laut der Deutschen Umwelthilfe wird jedoch nur ein kleiner Teil fachgerecht entsorgt, der Rest wird billig nach Afrika verschifft. In Deutschland kostet das umweltgerechte Recycling einer Tonne E-Schrott 100 bis 200 Euro.

Die folgende Statistik zeigt das E-Schrott-Aufkommen einzelner Länder im Detail:

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Europäische Häfen als Dreh- und Angelpunkt

Im Hamburger Hafen werden jährlich rund 10 Millionen Container umgeschlagen. Was das für den Zoll heißt, kann man sich vorstellen. “Illegal exportierte Elektrogeräte finden wir in der Regel per Zufall oder weil uns die Umweltbehörde einen Hinweis gibt”, sagt Arne Petrick vom Hamburger Zoll.

Die Hamburger Beamten müssen sich täglich durch Tausende elektronische Warenanmeldungen klicken, immer auf der Suche nach Unstimmigkeiten. Sie fahnden nach Waffen und Drogen, illegale Abfälle machen sie nebenbei.

Maria Elander von der Deutschen Umwelthilfe wirft den Behörden vor, den Müllstrom nicht konsequent genug zu unterbinden. “Die Behörde muss den Absender ausfindig machen, damit der Müll umweltgerecht entsorgt wird – das ist Aufwand”, erklärt Elander.

Gesundheitliche Folgen

Laut Un-Kinderhilfswerk werden allein aus Deutschland  jährlich etwa 100.000 Tonnen E-Schrott nach Afrika verschifft. Ein Großteil landet in Ghana, dort werden die Geräte verbrannt, um das Plastik vom wertvollen Kupfer zu trennen.

Agbogbloshie oder auch “Sodom und Gomorrah” wird das Slum und der Elektroschrott-Platz in Accra, Ghanas Hauptstadt, genannt. Dort nehmen größtenteils Kinder die toxischen Elektrogeräte ohne jeglichen Sicherheitsmaßnahmen auseinander. Man muss kein Arzt sein, um zu erkennen, was das für die Gesundheit bedeutet.

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Unicef-“Foto des Jahres 2011” Accra/Ghana – Bild: Kai Löffelbein

Eine Untersuchung von Greenpeace ergab, dass die Bleikonzentrationen zum Teil 100-mal höher ist als in nicht kontaminierter Erde. Laut Mike Anane, einem ghanaischen Umweltjournalisten, kann man sich höchstens zwei Stunden auf der Müllhalde aufhalten, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

“Warum gibt man uns Computer, die nicht funktionieren? Das ist Müllentsorgung und nichts anderes”, zitiert Greenpeace Mike Anane. “90 Prozent der Computer sind Schrott.”

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“Die Kinder von Sodom” in Accra/Ghana – Bild: Andrew McConnell

Die Giftstoffe gefährden Kinder in besonderem Maße, da in der Wachstumsphase Blei und Cadmium in die Knochensubstanz eingelagert wird. Der Qualm ruft unmittelbare Beschwerden wie ständige Kopfschmerzen, gerötete Augen und Schlaflosigkeit hervor.

Aufgrund der Untersuchungen wurde der Ort 2013 von der Umweltorganisation Blacksmith Institute zu einem der am schlimmsten verseuchten Orte der Welt gewählt.

Umweltverschmutzung

Was für die Gesundheit nicht gut ist, kann auch für die Umwelt nicht gut sein. Schuld daran sind die Hersteller, so Greenpeace. Die Profitgier der Unternehmen erlaubt es, Produkte auf den Markt zu bringen, die nur schwer zu reparieren sind. Außerdem werden weiterhin giftige Chemikalien in der Produktion verwendet.

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“Sodom und Gomorrah” / Bild: Andrew McConnell

“Solange Elektrofirmen giftige Substanzen nicht aus der Produktion verbannen und nicht bereit sind, Verantwortung von der Produktion bis zum Recycling zu übernehmen, wird es diese Giftdeponien weiterhin geben”, sagt Martin Hojsik, Chemieexperte von Greenpeace.

Fazit

Afrika wird nicht nur ausgebeutet, sondern auch zugemüllt. Um das zu unterbinden, wäre es vielleicht an der Zeit, sich zweimal zu überlegen, ob man wirklich jedes Jahr ein neues iPhone braucht.

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  • Author

    Chris
    Founder Infinite Sense, Tech and Philosophy enthusiast. Always looking for common sense and a better future. / Email: mail@infinitesense.org

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